Wat denn, solange schon dabei? Donnerwetter ... BEBOP GUITARS Fr 21. Juli schon ab 18 Uhr geschlossen! Hallo und Willkommen

CITES = Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora  -  durch EG-Verordnung 338/97 / VO(EG) 338/97 am 4. Februar 2017 in Kraft getreten

in D und EU auch WA = Washingtoner Artenschutzabkommen genannt


 Es geht also um den Artenschutz, hier konkret um den kontrollierten Handel u. a. mit den Hölzern Palisander (Rosewood/Dalbergia) und Bubinga.

 Für die, die es nicht wissen: Die wirklich meisten Gitarren haben zumindest ein Griffbrett aus Palisander. Bei akustischen Gitarren kommen meist noch die Stege/Saitenhalter dazu, und wenn vorhanden, auch die Kopfplattenfurniere

 auch kleinste Gitarrenteile (zB Stegstecker) und Zubehör sind betroffen - jeder Holzsplitter muss erfasst werden, denn es gibt keine Mindestmenge

 Ich bin seit Mitte Dezember an diesem Thema intensiv dran (ich war zB am 7. Juni ganztätigig zu einer Schulung beim Thünen-Institut in HH) und muss leider sagen, dass mich das alles noch nicht auf einen endgültigen Stand gebracht hat … was aber auch vorläufig nicht möglich ist, denn klare und eindeutige Vorgaben gibt es zZ weder in Deutschland, noch in der EU, und schon gar nicht weltweit. Und wenn, dann sind sie wie gesagt von Staat zu Staat, von Bundesland zu Bundesland und sogar von Stadtbezirk zu Stadtbezirk oder Landratsamt zu Landratsamt unterschiedlich!

 So wie es im Moment aussieht, muss sich niemand ernsthafte Sorgen machen, denn es gilt eine Untergrenze von 10 kg bei Grenzübertritten in Nicht-EU-Staaten bzw. der Wert des geschützten Holzes (also wirklich nur der Holzanteil des geschützeten Holzes!) muss 250 Euro überschreiten. - Wohlgemerkt, es geht hier nur um CITES II (EU-Schutz „B“). Bei CITES-I-geschützten Hölzern (zB sog. Rio-Palisander) sind die Handels- und Reisebeschränkungen deutlich strenger!

 Trotz der Unklarheiten bemühe ich mich, jedes verkaufte Instrument oder auch nur Bestandteile, den derzeitig geltenden Vorgaben gemäss dem Käufer zu deklarieren und ihn auf die Rechtslage hinzuweisen.

 WICHTIG: Meinen Warenbestand habe ich am 31.12.2016 der zuständigen Behörde gemeldet. Inzwischen habe ich auch eine Bestätigung meiner Waren als „Altbestände und Vorerwerb“!

 Ich bin außerdem mit einem sehr qualifizierten Kollegen zZ am Thema Gutachten für Instrumente mit CITES-Hözern dran! Wer Fragen und Begutachtungsbedarf hat, kann sich gerne melden.

 Interessant ist eine Seite des Landes Niedersachsen (Link):

   „Erst im Falle eines beabsichtigten Verkaufs von Musikinstrumenten oder Holzteilen der neu geschützten Arten in ein Drittland außerhalb der EU müssen Bescheinigungen beim NLWKN als zuständiger Landesbehörde beantragt werden. Diese dienen dazu, beim Bundesamt für Naturschutz eine Ausfuhrgenehmigung zu erhalten.

   Für den gewerbsmäßigen Handel besteht als Folge der Unterschutzstellung dieser Holzarten zusätzlich eine Buchführungspflicht nach der Bundesartenschutzverordnung über den An- und Verkauf. Bei evtl. Kontrollen stehen aber nicht Privatpersonen im Fokus, die ihr Musikinstrument verkaufen wollen, sondern vielmehr der kommerzielle Handel, Großhändler und große Hersteller.

   … Die Verwendung dieser Holzarten in Musikinstrumenten macht nur einen vergleichsweise geringen Anteil aus.“  -  Es sind übrigens lediglich um die 0,2 Prozent!

 Was die jeweiligen Bescheinigungen kosten, ist nicht bundeseinheitlich geregelt. Jede einzelen Naturschutzbehörde legt das individuell fest.

-  Die Schweiz verlangt zB unverschämte 88 Franken (rd. 83 Euro) bei Einfuhr eines Instruments. … nur für ein Blatt Papier.

 Die Besitz-Zertifikate/Genehmigungen sind nur drei Jahre gültig. Dann müssen sie zurückgeschickt (!) und ggfs. neue beantragt werden. (Nee, muss man nicht verstehen!) - Dass das jeweils kostenpflichtig ist, sei auch noch erwähnt.

 auch auf der Musikmesse 2017 in Frankfurt war CITES ein großes Thema - das ging bei den Kontrollen vor der Messe so weit, daß weit über 100 Instrumente beschlagnahmt wurden - und das auch nur wegen des Übereifers deutscher Beamter!

 die Musikinstrumenten-Verbände haben bisher leider gar nichts erreicht, sind aber weiter am Thema dran …


meine Schlussbemerkungen:

A  Gefährdete Bäume schützen ja, aber dann doch bitte den lebenden Bestand vor Ort!

B  Meine bisherigen Recherchen und Gespräche mit Fachleuten haben eindeutig ergeben, dass es keinen Mangel an Dalbergia latifolia gibt - schon gar nicht, was die geringen Mengen für die Musikinstrumente betrifft

C1  Wenn überhaupt, dann sollten die Zertifikate dem Holz bzw. Instrument zugeordnet werden und nicht dem Eigentümer. So wie es jetzt läuft, ist es ein echtes Bürokratiemonster mit völlig unklarem Erfolg.

C2  Die SOMM schlägt zB vernünftigerweise vor, dass die Hölzer nur einmal registriert werden, nämlich dann, wenn sie in die EU importiert werden - gute Idee!

D  Warum (jedenfalls bisher) nur Musikinstrumente im Fokus stehen, ist unklar - zumal unsere Branche nur 0,2 Prozent der Hölzer verbraucht!

E  Nach derzeitigem Stand (07.06.2017) treibt dieses strenge Bürokratiemonster (in der EU) nur in Deutschland sein Unwesen - auch interessant, oder?

F  Ganz ‚lustig’ wird es, wenn sich bewahrheitet, was manche Botaniker vermuten, nämlich dass Dalbergia gar nicht überall, von wo wir es jetzt beziehen, ursprünglich heimisch ist …

G  Jetzt werden also Bäume, selbst Splitter von ihnen, aufwendiger und konstenintensiver geschützt als viele bedrohte Menschen auf diesem Planeten - na toll …



 Links  nur eine kleine subjektive Auswahl:

 Bundesamt für Naturschutz (BfN) - Allgemeines zum Holz geschützter Arten; Links

 BfN - Holzliste geschützter Arten per 01.2017

 BfN: Genehmigungen für Musikinstrumente im Rahmen von Konzertreisen

 BfN: Musikinstrumentenbescheinigung für Instrumente im Reisegepäck

 BfN: Antragstellung online für „Musikinstrumentenbescheinigung

 Background to CITES   nur in englisch

 Die zuständige European Commission, Environment, CITES, Enforcement Group

veröffentlichte kürzlich eine FAQ

 Hier kann man ein PDF der EU-Kommission herunterladen

 Natur- und Artenschutzamt Berlin … hier auch Links zu den Bezirken

 Thünen-Institut Hamburg - Holzartenbestimmung (Massivholz ab 95,00 Euro zzgl. MwSt.)



Ich habe diese Informationen nach bestem aktuellem Wissen verfasst. -

Verbindliche Auskünfte erteilen das „Bundesamt für Naturschutz (aber Achtung, es ist nicht weisungberechtigt für die allein zuständigen Unteren Naturschutzbehörden!), das „Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft“ (Legislative!), bedingt auch das „Umweltbundesamt“ und letztendlich die allein zuständige „Untere Naturschutzbehörde“ - in Berlin die Bezirksämter - (Exekutive)



Hier immermal wieder vorbeizugucken lohnt sich, denn diese Seite aktuell zu halten, werde ich mich weiter bemühen       zuletzt überarbeitet am 30.06.2017